Einmal ins Ausland ziehen, was für ein romantisches Abenteuer! Und wenn man überlegt nach Spanien zu ziehen, stellt man sich doch bestimmt nur das Meer, Salsa, Siesta, unendliche Partys, Sonne, reifes Obst, Sangria, braun gebräunte junge Menschen und sehr viel Chillen vor, oder?

Ok, wenn man mit 20 Jahren als Austauschstudent/In für 6 Monate nach Barcelona zieht oder mit 25 Jahren in Südspanien einen 2-monatigen Sprachkurs belegt dabei vom deutschen Staat/Bafög/Eltern/Ersparnissen leben kann, wird man dieses Erlebnis sehr wohl als romantisch und sorglos betrachten können.  Aber wie sieht es aus, wenn ein Erwachsener mit etwas Berufserfahrung sich dazu plötzlich entscheidet, nach Spanien auszuwandern?

Hat man es leicht in Spanien als Deutscher? Werden alle Erwartungen erfüllt? Wird man genau so viel Zeit am Strand verbringen können, wie im Urlaub oder bereut man gleich nach dem Umzug seinen Entschluss, nach Spanien ausgewandert zu sein? Bleiben Träume nur Träume und die Realität sieht eigentlich ganz anders aus?

Ich bin vor 5 Jahren nach Barcelona aus Deutschland ausgewandert und hatte natürlich auch ganz viele Erwartungen. Wurden sie erfüllt? Einige ja, andere nein.

Ich habe in diesem Post ein paar typische Erwartungen der Realität gegenübergestellt und versucht, das Ganze etwas humorvoll zu gestallten. Ich hoffe, es ist mir gelungen…

Erwartung: Jeden Tag, ausnahmslos werde ich nach der Arbeit zum Strand fahren, dem Meer „Hallo“ sagen und an meinen „Sexy-Tan“ arbeiten.

Realität: Haha. In den meisten Unternehmen ist der Arbeitstag um 17:00-18:00 vorbei. Danach muss jeder normale Mensch noch etwas einkaufen, die Wäsche machen oder kochen, das Kind von der Schule abholen, für die Arbeit was nacherledigen, zu einem Arzttermin… Oft ist man so fertig und geschafft, dass man nach der Arbeit auf der Couch liegen bliebt. Manchmal geht man noch ins Fitnessstudio oder mit Freunden aus. Wenn man nicht in direkter Strandnähe lebt, kann man sich glücklich schätzen, wenn man es einmal in der Woche zum Strand schafft.

Sangria und Tapas

Pulgo Gallego: Tapas und Sangria in Spanien
Tapas in Spanien

Erwartungen: Ich werde das ganze Jahr über nur Sangria trinken und mich von Tapas ernähren

Realität: Das geht natürlich. Nur irgendwann wird man rausfinden, dass die wirklich coolen Leute Vermut statt Sangria trinken und man wird ebenfalls auf den bitter-süßen Kräuter-Wein umsteigen. Man wird auch sehr schnell mitbekommen, dass die meisten Tapas in Spanien im Öl frittiert sind und einen ziemlich rapido so richtig fett machen. Also steigt man auf das Essen um, was man aus Deutschland gewohnt ist und isst die Tapas nur gelegentlich, wenn Freuende zu Besuch sind.

Auf dem Markt einkaufen

Meeresfrüchte auf dem Markt von Barcelona kaufen

Erwartungen: Ich werde jeden Samstag zum Markt fahren und frisches Gemüse und frische Meeresfrüchte kaufen, die ich mir dann später zuhause selbst zubereite.

Realität: Jap, die ersten paar Wochen wird man samstags zum Markt fahren und das überteuerte Gemüse nach Hause holen. Später wird man merken, dass man auch leckeres Obst und Gemüse beim Gemüsehändler um die Ecke holen kann, nur halt sehr viel günstiger. Die Marktgänge bleiben aber dann halt für wenn mal Freunde vorbeikommen.

An der Stelle möchte ich noch einen Tipp abgeben: einige Meeresfrüchtesorten sollte man trotzdem eher auf dem Markt kaufen. Wer die saftigen roten Gambas für 29€/kg vom Markt einmal probiert hat, wird sehr schwer wieder auf die Gambas für 10€/kg von Mercadona umsteigen können.

Flamenco tanzen und schauen

Flamenco in Spanien

Erwartungen: jede Freitagnacht werde ich in kleinen abgedunkelten und verrauchten spanischen Clubs zur Flamenco-Musik tanzen.

Realität: Wenn Du nach Barcelona ziehst, kannst Du Flamenco vergessen. Der Flamenco ist nicht so populär hier. Stattdessen landest Du höchstwahrscheinlich bei einem der wöchentlichen Electronic Brunches im Park del Forum, im Poble Espanyol oder im Teatre Nacional de Catalunya. Was nicht schlecht ist, ich habe Flamenco selbst nie wirklich verstanden.

Nachbarn kennenlernen und zusammen ausgehen

Tapas essen in Barcelona

Erwartungen: Wenn ich nach Spanien auswandere, lerne alle meine Nachbarn kennen und gehe mit denen gelegentlich eine Sangria trinken.

Realität: Das mit der Sangria haben wir bereits geklärt. Aber die Beziehungen zu den Nachbarn sind ebenfalls nicht so einfach. Die Wände sind in Spanien nämlich nicht so dick wie in Deutschland. Man lernt seine Nachbarn und deren Gewohnheiten (auch sexuellen) ungewohnt früh genug kennen. Als ich noch im Zentrum von Barcelona in einer Wohnung gelebt habe, bin ich jeden Sonntag um 8 Uhr morgens zum „I did it my way“ von Sinatra (aber in einer sehr bedürftigen Ausführung unseres Nachbarn) aufgewacht. Ich habe an die Wand gekloppt bis er ruhig war und habe ihn dann den ganzen Sonntag lang gehasst. Etwas Trinken sind wir beide nie gewesen…Kann aber auch an mir liegen.

Spanisch lernen

Spanisch lernen in Barcelona

Erwartungen: Ich lerne sehr schnell Spanisch und nutze es überall.

Realität: Wenn Du ein Job in Spanien gekriegt hast, ohne Spanisch zu können, wirst Du im Job mit Deinen Kollegen weiter noch sehr lange Englisch sprechen. Wenn Du Menschen kennenlernst, die ursprünglich aus Barcelona kommen, wirst Du ungewollt Catalan lernen. Wenn Du bereits ein paar Wörter in Spanisch gelernt hast, Deine Kenntnisse im Alltagsleben anwenden möchtest und in Restaurants/Cafés/Supermärkten das Personal auf Spanisch ansprichst, werden Sie dir trotzdem zu 90% auf Englisch antworten, besonders wenn Du blond bist.

Ein nettes Apartment mit Meerblick finden

Hinterhof von Barcelona

Erwartungen: Du mietest Dir ein schönes 2-Zimmer Apartment in der Altstadt von Barcelona oder ein schönes und gemütliches Studio in einem historischen Altbau mit einer 20²-m großen, sonnigen Terrasse, natürlich mit Meerblick. Jeden Abend genießt Du den Sonnenuntergang auf Deiner Terrasse mit einem Glas guten Rioja und hörst das weite Meerrauschen.

Realität:  Ein Zimmer von gefühlten10m² in Barcelona beginnt bei etwa 300€… Es handelt sich dabei meist um ein Zimmer ohne Fenster, mit einem alten Bett in einer WG zwischen 10 und 18 Personen (ok, ich übertreibe jetzt). Fürs Bad gibt es einen Kalender und auf der Terrasse schlafen bereits in der Regel 4 Leute. In der Altstadt hörst Du kein Meeresrauschen, sondern betrunkene Touristen aus Deutschland/England oder verdächtige Gestalten, die diesen Touristen Drogen andrehen wollen. Ein paar Monate später hast Du keinen Bock mehr auf das Zentrum und die Altstadt und man zieht lieber in einen Stadtteil von Barcelona, wo arbeitende Menschen leben und keine Touristen.

Braungebräunt und sexy

Auswandern nach Spanien

Erwartungen: Du wirst jedes Wochenende in der Sonne liegen und richtig braun und sexy aussehen.

Realität: Nach ein paar heftigen Sonnenbränden legst Du Dir ein richtiges Arsenal an allen möglichen Sonnencremes an und benutzt diese morgens, mittags und abends. All Deine Freuende, die nach Barcelona für 3 Tage zu Besuch kommen, werden viel braungebräunter sein als Du, obwohl Du hier lebst.

Lass Dich von meiner Beschreibung der Realität nicht abschrecken. Wenn Du nach Spanien auswandern willst, oder zu mindestens hier eine Zeitlang leben möchtest, tue das. Das Leben in Spanien hat nämlich auch viele Vorteile. Ich wohne in Spanien, in der Nähe von Barcelona seit über 5 Jahren und habe meinen Entschluss, nach Spanien zu ziehen noch nie bereut!

Wenn Du wirklich darüber nachdenkst, nach Spanien auszuwandern, lies meinen Beitrag „Nach Spanien Auswandern: Vorteile und Nachteile„, er wird Dir bestimmt hefen, eine Entscheidung zu terffen.

Auswandern nach Spanien: Vorteile und Nachteile

Wenn Du einen Urlaub in Barcelona planst, findest Du mit Sicherheit solche Beiträge interessant wie „Barcelona an 3 Tagen: Sehenswürdigkeiten und mehr„, „Beste vegetarische Restaurants in Barcelona„, „Beste Fischrestaurants in Barcelona“ und „Must-Visit-Restaurants in Barcelona„.

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